

Bevor es „Die Höhle der Löwen" in Deutschland gab, bevor Ralf Dümmel seinen ersten Deal machte und bevor Carsten Maschmeyer das erste Mal kritisch die Augenbraue hob, gab es Dragons' Den. Und bevor es Dragons' Den gab, gab es eine japanische Fernsehshow namens „The Tigers of Money", die im Jahr 2001 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde und die Welt der Gründer-TV-Formate für immer verändern sollte. Was in Japan als vergleichsweise nüchternes Wirtschaftsformat begann, wurde durch die britische Adaption Dragons' Den zu einem globalen Phänomen – und ist heute eines der meistkopierten TV-Formate der Geschichte.
Das britische Original startete 2005 auf BBC Two und trifft bis heute einen Nerv. Das Konzept ist dabei denkbar simpel: Gründerinnen und Gründer betreten die „Höhle" – ein bewusst karg und einschüchternd gestaltetes Studio – und pitchen ihre Geschäftsideen vor einer Gruppe wohlhabender Investoren, den sogenannten Dragons. Die Drachen hören zu, stellen Fragen, zweifeln, lachen manchmal, und entscheiden dann, ob sie ihr eigenes Geld investieren wollen oder nicht. Kein Netz, kein doppelter Boden, echtes Geld. Das macht den Reiz aus.
Die Rechte am Format hält Sony Pictures Television, und die haben ganze Arbeit geleistet: Dragons' Den wurde in mehr Ländern adaptiert als die meisten anderen TV-Formate weltweit. Australien strahlte die erste Staffel bereits 2005 über das Seven Network aus, bevor das Format 2015 unter dem Namen „Shark Tank" neu aufgelegt wurde. In Neuseeland lief die Show ab 2006 bei Television New Zealand, in den Niederlanden ab 2007 auf Nederland 3, in Finnland unter dem charmanten Namen „Leijonan kita" – zu Deutsch: Löwenmaul – und in Spanien unter dem Titel „Tu Oportunidad", also „Deine Chance". Im Libanon lief die Show unter dem Namen „Dragons' Den: Al Aareen" auf Future Television und erreichte das gesamte arabische Publikum. In der Tschechischen Republik startete das Format am 31. März 2009 unter dem Titel „Den D" – The D-Day. Und in Deutschland? Da heißt es seit 2014 schlicht „Die Höhle der Löwen" – und läuft auf VOX.
Was Dragons' Den von vielen anderen Reality-Formaten unterscheidet, ist die Ernsthaftigkeit des Grundkonzepts. Hier geht es nicht um Castingshows, Dschungel oder Liebesdramen. Hier geht es um Geld, Ideen, Mut und die Fähigkeit, in wenigen Minuten zu überzeugen. Das ist näher an der echten Unternehmenswelt als fast jedes andere TV-Format – und genau das macht es so faszinierend. Denn wer schon einmal versucht hat, eine Idee in einem Satz zu erklären, weiß: Das ist verdammt schwer. Und wer das vor einer Gruppe kritischer Investoren tun muss, während Kameras laufen und Millionen zuschauen, braucht mehr als eine gute Idee. Er braucht eine starke Marke, eine klare Positionierung und die Fähigkeit, in Sekunden Vertrauen aufzubauen.
Und genau hier wird Dragons' Den zu mehr als nur einer Unterhaltungssendung. Es ist ein Lehrstück in Sachen Branding und Kommunikation. Die erfolgreichsten Pitches in der Geschichte des Formats hatten eines gemeinsam: Die Gründer wussten genau, wer sie sind, was sie anbieten, für wen sie es anbieten – und warum es niemand anderes so gut kann wie sie. Das ist keine Magie. Das ist Markenstrategie. Und das lässt sich lernen.
Dragons' Den ist heute mehr als ein TV-Format. Es ist ein globales Symbol dafür, dass gute Ideen überall auf der Welt eine Chance verdienen – und dass der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg oft nicht die Idee selbst ist, sondern die Art, wie man sie präsentiert. Wer das verstanden hat, hat den ersten und wichtigsten Schritt in Richtung einer starken Marke gemacht.
Neuromenta | Inh. Michael Schönherr
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