

„Die Höhle der Löwen" ist seit 2014 eine der erfolgreichsten Gründershows im deutschen Fernsehen und läuft auf VOX. Das Format basiert auf dem internationalen Konzept „Dragons' Den", das ursprünglich aus Japan stammt und in Dutzenden Ländern adaptiert wurde. In Deutschland hat es sich zu einem echten Kulturphänomen entwickelt – mit Millionen Zuschauern, spektakulären Deals, geplatzten Träumen und dem ein oder anderen Moment, der selbst hartgesottene Investoren zum Staunen gebracht hat.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Gründerinnen und Gründer präsentieren ihre Geschäftsideen vor einer Jury aus erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern – den sogenannten Löwen – und versuchen, ein Investment zu sichern. Was simpel klingt, ist in der Praxis oft ein nervenaufreibendes Spektakel aus Zahlen, Emotionen, Verhandlungsgeschick und manchmal auch blankem Scheitern. Und genau das macht die Sendung so fesselnd.
Zu den bekanntesten Gesichtern der Show gehören Ralf Dümmel, der unbestrittene Deal-König der Sendung, der mit über 140 abgeschlossenen Investments und mehr als 21 Millionen Euro investiertem Kapital alle anderen Löwen weit hinter sich lässt. Dümmel ist bekannt für seine direkte Art und sein Gespür für Massenmarkt-Produkte – und dafür, dass er fast nie Nein sagt, wenn er ein Produkt im Supermarktregal sieht. Carsten Maschmeyer, ehemaliger Chef des umstrittenen Finanzvertriebs AWD, bringt als Investor eine ganz andere Energie mit: strategisch, analytisch und mit einem Faible für Tech- und Health-Startups. Frank Thelen, der sich selbst gerne als „Mr. Digitalisierung" bezeichnet, war jahrelang das Gesicht für alles, was mit Technologie und Disruption zu tun hatte – und polarisierte dabei regelmäßig. Judith Williams, Unternehmerin und Moderatorin, ist für ihre emotionale Art bekannt und hat mehr als einmal Tränen in der Sendung vergossen – sowohl bei Gründern als auch bei sich selbst. Dagmar Wöhrl, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Unternehmerin, bringt politisches Feingefühl und unternehmerische Erfahrung mit. Janna Ensthaler, Juristin und Unternehmerin, ist eine der neueren Löwinnen und gilt als besonders kritisch und präzise in ihren Bewertungen. Nils Glagau, Sohn der Orthomol-Gründerin, hat sich auf Health und Wellness spezialisiert. Tillmann Schulz übernahm das Erbe seines Vaters und führt heute erfolgreich das Handelsunternehmen Norma. Tijen Onaran ist Unternehmerin, Autorin und Netzwerkerin – und bringt eine starke Perspektive auf Diversität und digitale Markenbildung mit.
Was die nackten Zahlen betrifft, ist die Show beeindruckend: In den ersten acht Staffeln wurden rund 448 Startups präsentiert, von denen 221 – also knapp 49 Prozent – einen Deal vor der Kamera abgeschlossen haben. Das ist eine Quote, von der viele Gründer bei klassischen Risikokapitalgebern nur träumen können. Allerdings ist ein Deal in der Sendung nicht automatisch ein Deal in der Realität. Nach der Ausstrahlung folgen Due-Diligence-Prüfungen, Vertragsverhandlungen und manchmal auch das ernüchternde Ergebnis, dass sich die Parteien doch nicht einigen können. Ein erheblicher Teil der vor der Kamera geschlossenen Deals platzt im Nachhinein – Schätzungen zufolge bis zu 40 Prozent.
Trotzdem lohnt sich die Teilnahme für viele Gründer allein schon wegen des sogenannten „DHDL-Effekts": Die Bekanntheit, die eine Sendung bringt, ist unbezahlbar. Produkte, die in der Show vorgestellt werden, sind oft noch in der Nacht der Ausstrahlung ausverkauft – selbst wenn kein Deal zustande gekommen ist. Von den 173 Startups, die in der Sendung keinen Deal bekommen haben, waren danach noch 141 am Markt aktiv. Das zeigt: Scheitern vor den Löwen bedeutet nicht automatisch das Ende.
Zu den größten Erfolgsgeschichten der Show zählen Produkte wie „Ankerkraut", die Gewürzmarke, die nach ihrem Auftritt bei DHDL zu einem der bekanntesten deutschen Food-Brands wurde und später von Nestlé übernommen wurde – was wiederum für Diskussionen sorgte. Oder „Travelbird" und diverse andere Startups, die durch die Show einen Raketenstart hinlegten. Auf der anderen Seite stehen die Misserfolge: Startups, die trotz Deal in der Insolvenz landeten, Produkte, die sich als nicht marktfähig herausstellten, und Gründer, die nach dem großen TV-Moment in der Versenkung verschwanden.
Die Zuschauerzahlen der Show schwanken je nach Staffel und Folge erheblich. In Hochzeiten sahen bis zu 2,5 Millionen Menschen eine einzelne Folge, in späteren Staffeln pendelten sich die Zahlen auf durchschnittlich 1 bis 1,5 Millionen Zuschauer pro Folge ein. In der werberelevanten Zielgruppe – für Sender wie VOX das entscheidende Kriterium – erzielte die Show regelmäßig überdurchschnittliche Marktanteile.
Und dann gibt es natürlich die Momente, die in Erinnerung bleiben – nicht wegen der Zahlen, sondern wegen der menschlichen Seite der Show. Gründer, die vor Nervosität ihre eigenen Zahlen vergessen. Löwen, die sich gegenseitig überbieten und dabei fast in Streit geraten. Produkte, bei denen man sich fragt, wie sie jemals den Weg in die Sendung gefunden haben – wie etwa das Kondom im Kreditkartenformat, das in der 19. Staffel für Gelächter sorgte. Oder Pitches, die so überzeugend waren, dass gleich mehrere Löwen einsteigen wollten und die Gründer plötzlich die Qual der Wahl hatten.
Was „Die Höhle der Löwen" letztlich so relevant macht – auch aus Branding-Perspektive – ist die Tatsache, dass die Show eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig ein überzeugender Auftritt, eine klare Positionierung und eine starke Markenidentität sind. Wer in 60 Sekunden nicht erklären kann, was sein Produkt ist, für wen es gemacht wurde und warum es besser ist als alles andere auf dem Markt, hat schlechte Karten. Die Löwen entscheiden oft in den ersten Minuten – und das ist im echten Geschäftsleben nicht anders.
Neuromenta | Inh. Michael Schönherr
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