VOX ist ein deutschsprachiger Privatsender mit Sitz in Köln, der seit dem 25. Januar 1993 auf Sendung ist und heute zur RTL Group gehört. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort „vox" ab, was schlicht „Stimme" bedeutet – ein Name mit Anspruch, der die wechselvolle Geschichte des Senders auf gewisse Weise perfekt zusammenfasst. Denn VOX hat im Laufe der Jahrzehnte viele Stimmen ausprobiert, bevor es die eigene gefunden hat.

Der Start war alles andere als ein Triumphzug. VOX ging mit dem hochgesteckten Ziel an den Start, als Informations- und Nachrichtensender den öffentlich-rechtlichen Sendern Konkurrenz zu machen. Man holte sich bekannte Gesichter aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, baute ein aufwendiges weltweites Korrespondentennetz auf und warb mit dem legendären Slogan: „Täglich sterben tausende Gehirnzellen. Retten Sie den Rest." Ein mutiger Auftritt – doch die Zuschauer blieben aus. In der Zielgruppe ab drei Jahren erreichte VOX gerade einmal 0,3 Prozent Marktanteil. Die Branche sprach offen vom „Senden unter Ausschluss der Öffentlichkeit".

Bereits im September 1993 – also wenige Monate nach dem Start – wurde das Konzept radikal umgeworfen. Eigenproduktionen verschwanden, US-amerikanische Serien und Filme zogen ein. Serien wie „Cannon", „Airwolf" und „Sledge Hammer!" füllten plötzlich das Programm, das zuvor auf Nachrichtenkompetenz gesetzt hatte. Doch auch das reichte nicht, um den Sender zu retten. Im März 1994 zog Bertelsmann die Notbremse: Wenn bis Ende des Monats kein neuer Investor gefunden werde, würde VOX liquidiert. Tatsächlich befand sich der Sender ab dem 1. April 1994 offiziell in Liquidation – sendete aber weiter, mit einem Notprogramm aus Filmen, Serien und Wiederholungen. Branchenintern wurde sogar über Gratis-Werbespots geredet, die VOX ausstrahlte, um Buchungen vorzutäuschen. Ein Film – „Der lange Tod des Stuntman Cameron" – wurde so oft wiederholt, dass die Filmkopie sichtbare Bildstörungen entwickelte.

Die Rettung kam am 1. November 1994 in Form von Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation, der die Mehrheitsanteile an VOX übernahm. Mit Murdoch im Rücken hatte VOX plötzlich Zugang zu den neuesten Produktionen von 20th Century Fox – und das Programm änderte sich schlagartig. US-Serien wie „Ally McBeal" wurden zu echten Überraschungshits, und VOX begann, ein klares Profil als Unterhaltungssender zu entwickeln. Reise-, Natur- und Tierdokumentationen wurden zum Markenzeichen, und die Erotik-Sendung „Wa(h)re Liebe" mit der Kunstfigur Lilo Wanders sorgte dafür, dass VOX auch im Nachtprogramm für Gesprächsstoff sorgte – jahrelang. Wikipedia

Im Jahr 1999 übernahm die CLT-Ufa Murdochs Anteile für 650 Millionen D-Mark, und im Jahr 2000 gehörte VOX zu 99,7 Prozent der RTL Group. Seitdem hat sich der Sender kontinuierlich nach oben gearbeitet. Im Jahr 2016 gelang sogar das Kunststück, ProSieben als langjährige Nummer drei der deutschen Privatsender zu überholen – ein Meilenstein, der zeigt, wie weit VOX von seinen holprigen Anfängen entfernt ist. Der höchste je gemessene Zuschauerrekord des Senders stammt vom 8. April 2004, als „Titanic" ausgestrahlt wurde und 3,77 Millionen Menschen einschalteten. Der höchste durchschnittliche Jahresmarktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen wurde 2007 mit 7,9 Prozent erreicht. Im Jahr 2025 liegt der Marktanteil bei 6,2 Prozent in dieser Zielgruppe – solide, aber mit Luft nach oben.

Heute ist VOX vor allem bekannt für ein buntes Mix aus US-Serien, Kochshows, Tierdokumentationen, Doku-Soaps und Eigenproduktionen. Zu den bekanntesten Formaten gehören „Das perfekte Dinner", das seit 2006 läuft und mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, sowie „Kitchen Impossible" mit Tim Mälzer, das 2017 und 2018 ebenfalls den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Bestes Factual Entertainment gewann. „Grill den Henssler" gewann 2015 sogar einen Bambi. Und dann ist da natürlich „Die Höhle der Löwen", die seit 2014 zu den erfolgreichsten Formaten des Senders gehört und VOX regelmäßig starke Quoten beschert.

Auch im Bereich Tiermagazine hat VOX eine treue Fangemeinde aufgebaut – mit Sendungen wie „hundkatzemaus", „Menschen, Tiere & Doktoren" und „Der Hundeprofi" mit Martin Rütter. Weniger bekannt, aber durchaus bemerkenswert: Im Nachtprogramm erzielt die Sendung „Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin" regelmäßig Marktanteile von bis zu 20 Prozent – ein Wert, der für VOX sonst eher ungewöhnlich ist und zeigt, dass auch spätnächtliche Nischenformate ihre treue Fangemeinde haben können.

Seit Dezember 2019 betreibt VOX außerdem den Spartensender VOXup, der Wiederholungen und ältere Formate aus dem Muttersender zeigt – sozusagen das Archiv für alle, die nostalgisch auf die VOX-Geschichte zurückblicken möchten. Und die hat es, wie man sieht, wirklich in sich.