Frank Thelen ist einer jener Menschen, die man entweder liebt oder nervtötend findet – und die das mit bemerkenswerter Gelassenheit zur Kenntnis nehmen. Er ist laut, er ist selbstbewusst, er liebt Technologie mit einer Inbrunst, die manchmal fast religiöse Züge annimmt, und er hat sich eine persönliche Marke aufgebaut, die in Deutschland kaum jemand im Tech-Bereich so konsequent verkörpert wie er. Frank Thelen ist nicht einfach ein Investor. Frank Thelen ist eine Haltung.

Geboren am 10. Oktober 1975, aufgewachsen in Bonn, war Thelen kein Musterschüler. Er selbst bezeichnet sich als Schulversager – jemand, dem das klassische Bildungssystem wenig gegeben hat und der seinen Weg woanders finden musste. Mit gerade einmal 18 Jahren gründete er 1994 sein erstes Unternehmen: „Softer Solutions", eine Firma, die Software-Lösungen zur Herstellung von Multimedia-CD-ROMs anbot. Das war 1994 – als das Internet in Deutschland noch ein Fremdwort war und CD-ROMs als Zukunftstechnologie galten. Thelen war früh dran. Das sollte ein Muster werden.

Doch der frühe Start bedeutete nicht automatisch frühen Erfolg. Mitte zwanzig stand Thelen vor dem finanziellen Ruin. Unternehmen, die nicht funktionierten, Schulden, die sich häuften, und der bittere Geschmack des Scheiterns – all das gehört zu seiner Geschichte, und er hat nie einen Hehl daraus gemacht. In seiner Autobiografie „Startup-DNA", die er später veröffentlichte, beschreibt er diesen Absturz offen und ehrlich. Das ist kein Zufall – es ist Teil seiner Markenstrategie. Wer Scheitern offen kommuniziert, wirkt authentisch. Und Authentizität ist im Zeitalter der sozialen Medien die härteste Währung überhaupt.

Nach dem Beinahe-Bankrott krempelte Thelen sein Leben um und baute sich Schritt für Schritt neu auf. Er gründete weitere Unternehmen, sammelte Erfahrungen, entwickelte ein immer schärferes Gespür für Technologie und digitale Geschäftsmodelle. 2014 wurde er Geschäftsführer der Venture-Capital-Gesellschaft e42, die er später in Freigeist Capital umbenannte – ein Name, der Programm ist. Freigeist investiert in technologie- und designgetriebene Startups, häufig bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen, wenn andere noch zögern. Zu den bekanntesten Beteiligungen gehören Wunderlist – das Aufgabenverwaltungs-Tool, das Microsoft für einen dreistelligen Millionenbetrag kaufte – sowie Lilium Aviation, das Flugtaxi-Startup, MyTaxi, KaufDa, Ankerkraut, YFood und Little Lunch.

Von 2014 bis 2019 war Frank Thelen als Investor in „Die Höhle der Löwen" zu sehen – und prägte die Sendung wie kaum ein anderer. Er war der Löwe, der immer dann aufhorchte, wenn jemand mit einer Idee kam, die nach Zukunft roch. Technologie, Disruption, Skalierbarkeit – das waren seine Kriterien. Food-Startups wie Ankerkraut und YFood landeten trotzdem in seinem Portfolio, und beide erwiesen sich als Goldgriffe. YFood verkaufte später einen Minderheitsanteil an Nestlé – was viel Kritik einbrachte, aber wie Thelen selbst sagte: „Viel Kritik, aber auch viel Geld." Eine Aussage, die perfekt zu ihm passt.

2019 stieg Thelen aus der Sendung aus – bewusst und mit klarer Begründung. Food und Fernsehshows passten nicht mehr zu seiner Vision. Er wollte sich auf das konzentrieren, wofür er wirklich brennt: Künstliche Intelligenz, Blockchain, Quantencomputer und andere Zukunftstechnologien, die Deutschland im internationalen Wettbewerb voranbringen können. „Das ist meine Motivation, dafür stehe ich morgens auf", sagte er damals. Klarer kann man eine persönliche Marke nicht kommunizieren.

Mit seinem Buch „10xDNA" – einem Ausblick auf Zukunftstechnologien und ihre Auswirkungen auf unser Leben – baute Thelen seine persönliche Marke als Vordenker und Tech-Evangelist weiter aus. Das Buch wurde ein Bestseller und festigte seinen Ruf als einer der lautstärksten und bekanntesten Stimmen der deutschen Startup- und Tech-Szene. Sein geschätztes Vermögen liegt bei rund 25 Millionen Euro – kein Vergleich zu Maschmeyers Milliarden, aber das war auch nie Thelens Maßstab.

Was Frank Thelen aus Branding-Perspektive so interessant macht, ist die Konsequenz, mit der er seine Positionierung lebt. Er hat sich nie versucht, für alle alles zu sein. Er ist der Tech-Mann. Der Zukunfts-Evangelist. Der unbequeme Mahner, der Deutschland immer wieder daran erinnert, dass die digitale Transformation keine Option, sondern eine Überlebensfrage ist. Das polarisiert – und das ist gewollt. Denn eine Marke, die niemanden nervt, fällt auch niemandem auf. Frank Thelen fällt auf. Immer. Und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren, konsequenten und authentischen Markenstrategie – auch wenn er sie selbst wahrscheinlich nie so nennen würde.