💶 750 Millionen Euro – Berliner Gründer schreiben Start-up-Geschichte

5/8/20263 min read

Christoph Gerber hat es wieder getan. Nach dem Lieferando-Exit folgt der nächste Mega-Deal: Talon.One geht für 750 Millionen Euro an den niederländischen Zahlungsriesen Adyen. Einer der größten deutschen Software-Exits der letzten Jahre.

Manche Gründer haben einfach das goldene Händchen. Christoph Gerber ist so einer. 2014 verkaufte er den Essenslieferdienst Lieferando für rund 63 Millionen Euro an Takeaway.com. Damals dachten viele: Guter Deal. Jetzt legt er nach – und diesmal ist die Summe eine ganz andere Liga.

Der Deal: 750 Millionen Euro, cash

Der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen übernimmt das Berliner Start-up Talon.One für 750 Millionen Euro – finanziert vollständig aus eigenen liquiden Mitteln, wie Adyen offiziell bestätigt hat. Der Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.

Für Gerber und seinen Mitgründer Sebastian Haas ist es ein spektakulärer Exit. Und ein klares Signal: Deutschlands Start-up-Szene kann auch im globalen Maßstab ganz oben mitspielen.

Bemerkenswert: Gerber und Haas investieren einen signifikanten Teil ihres Erlöses in neu ausgegebene Adyen-Aktien – sie glauben also selbst an die Zukunft des gemeinsamen Projekts.

Was ist Talon.One ĂĽberhaupt?

Talon.One wurde 2015 in Berlin gegründet und hat sich als sogenannte „Incentives Engine" einen Namen gemacht. Klingt technisch – ist aber im Grunde ganz simpel: Die Software hilft Händlern dabei, Rabattaktionen, Gutscheine, Treueprogramme und personalisierte Marketingkampagnen zentral zu steuern und in Echtzeit auszuspielen.

Beispiel: Ein Händler kann damit festlegen, welcher Kunde wann welchen Rabatt bekommt – etwa einen 5-Euro-Gutschein für Neukunden oder ein besonderes Angebot für Vielkäufer. Das Ganze passiert automatisch, datengetrieben und in Echtzeit – noch bevor die Zahlung abgeschlossen ist.

Mehr als 300 internationale Unternehmen nutzen die Plattform. Für 2026 wird ein jährlich wiederkehrender Umsatz (ARR) von rund 60 Millionen Euro erwartet. In den Vorjahren wuchs Talon.One mit beeindruckenden 30 bis 40 Prozent jährlich.

Warum kauft Adyen das?

Adyen gehört zu den größten Zahlungsdienstleistern der Welt. Kunden sind Meta, Uber, H&M oder Microsoft. Bislang war Adyen vor allem für die Abwicklung von Zahlungen bekannt – also das, was im Hintergrund passiert, wenn du auf „Kaufen" klickst.

Mit Talon.One will Adyen früher in den Kaufprozess eingreifen – noch bevor der Bezahlvorgang beginnt. Adyen-Co-CEO Ingo Uytdehaage bringt es auf den Punkt:

„Mit Talon.One kann ein Händler Kunden erkennen und sofort ein passendes Angebot machen – noch bevor die Zahlung abgeschlossen ist."

Das ist Adyens große Wette: Die Zukunft des Payments liegt nicht nur in der Abwicklung, sondern in der intelligenten Steuerung der gesamten Wertschöpfung rund um den Kaufmoment. Stichwort: Unified Commerce – Online- und Offline-Daten zusammenführen, Kunden kanalübergreifend erkennen, Angebote dynamisch anpassen.

Talon.One tritt gegen Tech-Riesen an

Was viele nicht wissen: Talon.One spielt in einer Liga mit deutlich größeren Playern. Der direkte Wettbewerber Salesforce ist an der Börse rund 141 Milliarden Dollar wert – und gilt als einer der größten Softwareanbieter der Welt. Dass ein Berliner Start-up in diesem Markt erfolgreich genug war, um für 750 Millionen Euro übernommen zu werden, ist keine Kleinigkeit.

Was bedeutet das fĂĽr den Standort Berlin?

Der Deal ist mehr als nur eine Erfolgsstory zweier Gründer. Er sendet ein starkes Signal an den gesamten deutschen und europäischen Start-up-Markt – gerade in einem Umfeld, das zuletzt von Zurückhaltung bei Investoren und Bewertungsrückgängen geprägt war.

Berlin kann B2B-Software auf Weltklasseniveau. Das war nicht immer selbstverständlich – die Hauptstadt galt lange eher als Konsumenten-App-Hochburg (Zalando, Delivery Hero, HelloFresh). Talon.One zeigt: Auch tiefe, komplexe Unternehmens-Software kommt aus Berlin.

Der Vergleich: Lieferando vs. Talon.One

Lieferando (2014) Talon.One (2026) Käufer Takeaway.com (NL) Adyen (NL) Kaufpreis ~63 Mio. Euro 750 Mio. Euro Gründer Gerber, Gerbig, Hansen Gerber, Haas Branche Food Delivery B2B Software / Payments

Zwei niederländische Käufer, zwei Mega-Deals – Christoph Gerber scheint eine besondere Verbindung zu den Niederlanden zu haben. 🧡

Fazit: So geht GrĂĽnder-Karriere

750 Millionen Euro. Zweiter Exit. Berliner Gründer. Das ist keine Erfolgsgeschichte – das ist eine Legende in Entstehung.

Christoph Gerber und Sebastian Haas haben mit Talon.One bewiesen, dass man aus einer einfachen Idee – der besseren Verwaltung von Rabatten – eine international konkurrenzfähige Softwareplattform bauen kann, die einem der größten Zahlungsdienstleister der Welt 750 Millionen Euro wert ist.

FĂĽr die deutsche Start-up-Szene ist das genau das Signal, das sie gerade gebraucht hat.

Quellen: B.Z. (25. April 2026), Retail-News.de, Adyen Investorenmeldung, Tagesspiegel, Manager Magazin retail-news maresmedia